Nun, es gibt nicht „die eine“ Ursache für Esskrankheiten. Es müssen mehrere Faktoren zusammenkommen. Einige typische Risikofaktoren sind:
Ein ausgeprägtes Schlankheitsideal:
Mädchen sind schön! Mädchen müssen schön sein! Die Last, schön sein zu müssen, liegt auf jedem Mädchen und auf jeder Frau. Und “schön sein“ heißt heute vor allem eins: schlank sein!
Die mageren Vorbilder aus Mode, Film und anderen Medien vermitteln ein ganz einfaches Bild: Schlankheit wir gleichgesetzt mit Schönheit, Attraktivität, Kompetenz, Anerkennung und Erfolg.
Oft sind auch Hänseleien der Auslöser für den Wunsch nach einer „Idealfigur“. Schon sehr junge Mädchen vergleichen sich mit gleichaltrigen, sehen sie ein anderes Mädchen, das schlanker ist, fühlen sie sich zu dick, aber die Mädchen, die stabiler als sie selbst gebaut sind, übersehen sie in dieser Hinsicht einfach.
Restriktives Essen:
Diäten gehören mittlerweile zum Alltag in unserer modernen Gesellschaft. Diäten und das Schlankheitsideal sind das Top-Thema. Kaum eine Frauenzeitschrift verzichtet auf regelmäßige Tipps zur “schlanken” Ernährung und die Jugendzeitschriften ziehen nach. Diäten jedoch sind immer restriktives Essen. Nach kurzer Zeit kommt es zu erheblichen Veränderungen des Stoffwechsels und anderer körperlicher Funktionen. Das Risiko für die Entwicklung von Mangelerscheinungen und dauerhaften Essstörungen steigt schon nach kurzer Zeit rapide an.
Angst vor dem Dicksein:
Mit Sicherheit einer der größten Risikofaktoren. Die Angst vor dem Dicksein ist eine Art aus dem Ruder gelaufenes Schlankheitsideal. Jetzt geht es nicht mehr um ein Ideal, das angestrebt wird, sondern um Panik vor dem Dickwerden. Alles, was dick machen könnte, wird vermieden. Viele Lebensmittel werden zu “verbotenen” Lebensmitteln. Schon der Gedanke an bestimmte Nahrungsmittel kann Panik auslösen. Kalorien werden zu wichtigen Zahlen, um die Angst vor dem Dicksein zu beherrschen. Die meisten Mädchen wissen dann die Kalorien fast sämtlicher Nahrungsmittel im Supermarkt auswendig. Und damit die Angst gar nicht erst auftritt, wird immer weniger gegessen. Auch die eigene Figur, bestimmte “kritische” Stellen am Körper, lösen diese Angst aus. Die Folge: es wird nichts mehr gegessen.
Familiäre Faktoren:
Essgestörte kommen nicht automatisch aus einem gestörten Familienhaus, auch Kinder aus behüteten Familien können Essstörungen erleiden. Es fällt jedoch auf, dass viele Essgestörte aus Familien der Mittel- und Oberschicht kommen, in denen Leistung und Disziplin wie auch ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl sehr wichtig sind. Abschottung nach außen und gleichzeitig unbeschränkte Offenheit innerhalb der Familie kann ein Risikofaktor sein. Wenn das Kind wenig Möglichkeiten hat, sich als eigene Person zu erleben, keine Geheimnisse haben darf, sich nicht abgrenzen und nicht entfalten kann, dann kann es dazu kommen, dass das Essverhalten die einzige Gelegenheit bietet, Selbstkontrolle, Kompetenz und Autonomie zu erleben.