Pro Mia (von pro = für und mia = Bulimia)

Pro Mia, die „Schwester“ von Pro Ana, ist der Zusammenschluss von an Bulimie erkrankten jungen Mädchen und Frauen im Internet. In Foren und Weblogs wird die Bulimie verherrlicht und stark verharmlost. Mias (so nennen sich die Betroffenen) unterstützen sich gegenseitig beim Hungern und geben Tipps, wie man seine Gedanken ans Essen ablenken und wie man die Nahrungsaufnahme vermeiden kann.

Auf vielen Pro-Mia-Seiten findet man eine „Kotzanleitung“. Hier werden Nahrungsmittel genannt, die das Erbrechen erleichtern sollen und Tipps gegeben wie und wann man sich übergeben sollte, so dass es niemand merkt.

Die Seiten sind genau wie die Pro-Ana-Seiten aufgebaut und haben den ähnlichen Inhalt. Auch hier gibt es einen Brief, der die Bulimie als eine Freundin personifiziert.

Der Brief von Mia:

Hi, wie gehts dir?
Ich werde mir mal kurz die Zeit nehmen und mich dir vorstellen. Ich bin unter dem Namen Bulimia Nervosa bekannt, aber da wir uns immer näher kommen, kannst du mich einfach Mia nennen. So nennen mich nämlich meine besten Freunde, meine treuesten Freunde. Nach und nach wirst du auch ein loyaler Freund von mir werden. […]

[…]Ich werde so viel Zeit wie möglich mit dir verbringen, aber das wird niemand außer dir bemerken. Nur du wirst es wissen, dass ich da bin, wenn du etwas essen willst, ich werde da sein, wenn du den Schokokuchen siehst und dir Sachen ins Ohr flüstern. Manchmal werde ich dir sagen, dass du essen sollst und du wirst gehorchen. Dann wiederum wirst du mir nicht gehorchen und den ganzen Kuchen fressen. Ich werde dir dann ein schlechtes Gewissen machen, denn du hättest auf mich hören sollen. Also beweg deinen fetten Arsch und geh den Kuchen auskotzen!! Wie konntest du dir das nur antun? Du wirst dir meine Kommentare zu Herzen nehmen und ins Bad gehen, den Wasserhahn aufdrehen und dich dann zum Erbrechen bringen. Manchmal wirst du dich stundenlang übergeben. Dein Gesicht wird rot, Rotz wird über dich laufen, deine Augen sind dann blutunterlaufen, dein Rachen wird dir wegen der geschwollenen Drüsen wehtun … und das verdienst du! Wenn du mein Freund sein willst und bekommen möchtest, was ich dir geben kann, musst du meinen Anweisungen folgen. Du wirst schon bald bemerken, dass ich dich kontrolliere. Auch wenn du mir nicht gehorchst, wirst du mich hören, wie ich dich anschreie, dir sage, wie fett und hässlich du bist, das du härter trainieren musst und dass du Diätpillen nehmen musst, ich werde dich darauf aufmerksam machen, dass alle Leute hinter deinem Rücken über dich lästern, weil du so fett bist.

[…]Du wirst so viel deiner Zeit in mich investiert haben, dass du niemanden mehr außer mir hast. Du hast keine Wahl, entweder ich oder die komplette Einsamkeit. Wenn ich einmal weg bin, nehmen Fett und Cellulite meinen Platz ein…

Oft findet man auch auf diesen Seiten „Anas Gesetze“ und „das Glaubensbekenntnis von Ana“. Sie sind identisch mit denen, die auf den Pro-Ana-Seiten zu finden sind. Die meisten kennen diese Regeln und Gesetze auswendig und halten sich sehr streng daran.

An Bulimie Erkrankte nehmen in Foren Kontakt miteinander auf. Aber nicht jeder hat Zugriff und nicht jeder wird aufgenommen. Personen, die sich gegen die Bulimie aussprechen oder Betroffene die nicht wirklich mit dieser Essstörung leben wollen, sind hier unerwünscht. Zu den wichtigsten Aufnahmekriterien gehören die Angabe des Gewichts, des BMI und des Zielgewichts, das man am Ende erreichen will. Man muss beweisen, dass man die Bulimie als Lebensstil ansieht und bis zum „Ende“ damit leben will.

Meist gibt es eine Anwesenheitspflicht. Wer sich ein paar Tage nicht im Forum aufhält, wird rausgeschmissen. Denn die Betroffenen sollen nur noch Kontakt zu Gleichgesinnten haben. Nur sie können verstehen, was der andere durchmacht und nur sie können sich gegenseitig unterstützen. Denn sie streben das gleiche Ziel an. Dadurch wird das Sozialleben der Betroffenen stark beeinträchtigt. Diese Foren ersetzen die Familie und die Freunde. Essgestörte werden ermutigt, noch tiefer in diese Krankheit hineinzugeraten. Die Krankheit wird immer mehr zum Lebensinhalt. Und das hat nicht nur soziale, sondern auch psychische und physische Folgen.